Farewell Schengen? – Part II

English/Deutsch                                            Zagreb, 11 April
Schengen cooperation enhances this freedom by enabling citizens to cross internal borders without being subjected to border checks.
Quite clearly this claim is currently as far from the truth as it can possibly be, see Part I. Yet this promise has been given to 400m people from Iceland to Greece and from Portugal to Estonia. Only under exceptional circumstances might border controls between Schengen Members be reinstalled for a few months. In the past, this clause has been invoked for events such as the FIFA football world championship or G7/G8 summits.

Which consequences do border controls have for the people in the region?

Frankly, for this part I envisioned a passionate rant about how horribly disappointed people in the border regions are, how their economies are turned to shreds and how their quality of life simply plummets into a dark abyss from one day to another.
Yet this trip is also for me to learn. So I talked to people living/working in the border regions of southern Germany, southern Austria and Slovenia.

“One accepts the inconveniences”
As anyone can imagine (and see in the photo), travellers bear the brunt of the controls. When I biked from Salzburg to Freilassing I passed a 3km traffic jam of people waiting to cross into Germany on that Friday afternoon. Not only roads are affected. In the fall of last year the direct train connection between Vienna and Munich was disrupted and has not been reopened since. Interrail even has a regularly updated segment on their website announcing effects of the refugee situation on their train connections.
However, when I asked locals at a bar in Freilassing (ironically called ‘Schmuggler’ = ‘Trafficker’) about personal ramifications, they mostly told me that queueing at the border was still better than the “massive, uncontrolled influx” of refugees during last fall and winter.

“The city is dead”

Local shop owners had quite a different take on the matter. At the German/Austrian border I heard complaints about customers from the other side preferring to shop locally again to avoid waiting at the border. The fact that a drive from Freilassing to Salzburg (and vice versa) turned from a one-hour roundtrip into a four-hour drag led people to stay home, robbing shops of a part of their customers. One man even told me that he was considering switching jobs to avoid his daily commute between both cities.
Similar remarks were made at the border between Austria and Slovenia, two Schengen countries. While the owner of a café in Spielfeld claimed nothing had changed, other locals missed their Sunday shopping trips to the south of the border.

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Leaving Austria in Spielfeld

Another communality seems to be that locals do not believe in the controls. While some considered them a “joke” in Freilassing, a man in Spielfeld told me that “Schengen never really existed, it’s a lie”. Apparently for him as an Austrian, nothing had changed.

Border controls are “affecting relations with Croatia”
Further south matters seem to be more serious at the Schengen external border between Slovenia and Croatia. For ages Slovenes cherished the idea of a “Slovene cultural space” ranging from northern Croatia through Eastern Italy to southern Austria. As Prof. Dr. Klemencic from Maribor University explained to me, this was the motivation for Slovenia as part of communist Jugoslavia to already open its borders to the west in the 1960s.

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Anti-tank obstacles 500m behind the Slovenian border – remnants of the Cold War

Given this widespread sentiment of a cross-border people, “the creation of the Schengen Area was very important for Slovenes” making the shock of Austria abruptively closing its border in February even more dramatic. Slovenes suddenly saw their identity questioned.
Beyond sentiment there are also tangible economic ramifications feared. Since Croatia reciprocally toughened its controls, trade flows are already imperilled. Prof. Dr. Klemencic pointed out that the problem will gradually start affecting tourism as we are heading towards the travelling season. This will most certainly have negative economic consequences for Slovenia and even more so for Croatia.

Bottom line
Obviously, people in the border regions are affected by the controls introduced. The further south they are, the higher the price they have to pay and the less willing they are to do so, understandably.
To safeguard the precious right of freedom of movement in the form of the Schengen Area, we need to understand that we are all sitting in the same boat. Only coordinated control of the external border will show a way out, not unilateral actions at the internal borders.

Auf Wiedersehen Schengen? – Teil II

An den Binnengrenzen gibt es keine Personenkontrollen mehr.
Ganz offenbar ist man momentan weiter von diesem Anspruch entfernt als je zuvor, wie in Teil I aufgezeigt. Dennoch gilt dieses Versprechen für 400 Mio. Menschen von Island bis Griechenland und von Portugal bis Estland. Nur unter besonderen Umständen dürfen Grenzkontrollen zwischen Schengen-Mitgliedern für wenige Monate wieder eingeführt werden. In der Vergangenheit war dies beispielsweise bei Fußballweltmeisterschaft und G7/G8-Gipfeln der Fall.

Welche Konsequenzen haben Grenzkontrollen für die Menschen in den betroffenen Regionen?

Um ehrlich zu sein ging ich für diese Teil davon aus ein glühendes Manifest darüber zu schreiben wie unfassbar enttäuscht die Menschen in den Grenzregionen sind, wie ihre lokale Wirtschaft zusammenbricht und wie ihre Lebensqualität von heute auf morgen ins Bodenlose stürzt.
Aber diese Reise dient ja auch mir zum Lernen. Also habe ich mich mit Menschen unterhalten, die in den Grenzregionen in Süddeutschland, Südösterreich und Slowenien leben und/oder arbeiten.

“Man akzeptiert die Unannehmlichkeiten”
Wie sich jede_r vorstellen (und auf dem Foto erkennen) kann, tragen Reisende die Hauptlast der Kontrollen. Als ich an einem Freitagnachmittag von Salzburg nach Freilassing radelte, passierte ich eine wohl 3km lange Schlange wartender Fahrzeuge, die über die Bundesstraße nach Deutschland wollten. Doch nicht nur Straßen sind betroffen. Im vergangenen Herbst wurde die direkte Zugverbindung zwischen Wien und München eingestellt und seitdem auch nicht wieder aufgenommen. Interrail hat sogar eine eigene Website um Beeinträchtigungen ihrer Verbindungen durch die Flüchtlingssituation anzukündigen.
Als ich jedoch mit einigen Anwohner_innen in einer Freilassinger Kneipe (ironischerweise hieß die ‘Schmuggler’) sprach, erklärte man mir, dass die Grenzkontrollen immer noch besser seien als der
“massive, unkontrollierte Strom” von Geflüchteten im vergangenen Herbst und Winter.

“In der Stadt ist tote Hose”
Ladenbesitzer_innen hatten eine etwas andere Sicht auf die Dinge. So hörte ich Beschwerden, dass Kund_innen doch lieber auf ihrer Seite der Grenze einkauften um die Warterei am Übergang zu vermeiden. Der Umstand, dass sich eine Tour von Salzburg nach Freilassing (und umgekehrt) von einer einstündigen Fahrt in ein vierstündiges Abenteuer verwandelt hat, bringt viele nun dazu sich wieder daheim zu versorgen. Somit bricht den grenznahen Geschäften ein bedeutender Kundenanteil weg. Ein Mann erzählte mir sogar von seinen Überlegungen den Job zu wechseln um dem täglichen Pendeln zwischen beiden Städten zu entgehen.
Ähnliche Anmerkungen nahm ich von der österreichisch-slowenischen Grenze mit. Während die Besitzerin eines Cafés im Grenzort Spielfeld unterstrich, sie habe keinerlei Veränderungen durch die Kontrollen bemerkt, vermissten andere Spielberger Anwohner_innen ihre sonntäglichen Shoppingtouren ins südliche Nachbarland.
Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen beiden Grenzen scheint zu sein, dass die Anwohner_innen die Kontrollen nicht ernst nehmen können. Während mir in Freilassing erklärt wurde, sie seien
“ein Witz”, rief mir ein Mann in Spielberg zu: “Schengen gibt es gar nicht, das ist alles Lüge!”. Ganz offenbar hatte sich für ihn als Österreicher in den letzten Jahren nichts geändert.

Grenzkontrollen
“beeinflussen unser Verhältnis zu Kroatien”
Weiter im Süden an der slowenisch-kroatischen Außengrenze des Schengenraumes betrachtet man die Entwicklungen sorgenvoller.
Seit Jahrhunderten halten die Slowenen die Idee eines
“slowenischen Kulturraumes” aufrecht, der von Nordkroatien über Ostitalien bis nach Südösterreich reicht. Wie mir Prof. Dr. Klemencic der Maribor Universität erklärte, öffnete das Land deshalb in den 1960er Jahren als erster jugoslawischen Staat seine Grenzen nach Westen.
Vor dem Hintergrund dieses Selbstverständnisses als grenzübergreifender Volksgemeinschaft
“war die Schaffung des Schengenraumes sehr wichtig für die Slowenen”. Umso größer war der Schock ausgelöst durch Österreichs abrupten Grenzschluss im Februar. Plötzlich sahen die Slowenen ihre Identität in Frage gestellt.
Über emotionale Fragen hinaus gibt es aber auch konkrete wirtschaftliche Befürchtungen. Seitdem auch Kroatien als Antwort auf den slowenischen Bau eines Grenzzaun seine Kontrollen verschärfte, ist der Handel schon beeinträchtigt. Prof. Dr. Klemencic machte deutlich, dass sich diese Konsequenzen schrittweise negativ auf den Tourismus auswirken werden, nun da wir uns der Reisesaison nähern. Dies wird mit großer Sicherheit wirtschaftliche Einbußen für Slowenien und noch stärker für Kroatien mit sich bringen.

Was bleibt zum Abschluss?

Natürlich spüren die Menschen in den Grenzregionen die Kontrollen. Je weiter man nach Süden kommt, umso höher ist der Preis, den sie den Betroffenen abverlangen. Und umso weniger bereit sind sie verständlicherweise diesen zu zahlen.
Um ein so kostbares Gut wie die Reise- und Bewegungsfreiheit in Form des Schengenraumes zu erhalten, müssen wir einsehen, dass wir alle im selben Boot sitzen. Nur koordinierter, solidarischer Außengrenzschutz kann als Ausweg dienen, nicht jedoch nationale Alleingänge an den Binnengrenzen.

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