The special case of unaccompanied minors

English/Deutsch     Athens, 11 May

When talking about ‘refugees’ and even more so when using the term ‘migrants’ we usually picture young adults, mostly male, sometimes families with children or elderly people. Rarely do we think about unaccompanied minors (UAMs), defined by the United Nation’s High Commissioner for Refugees (UNHCR) as “a person who is under the age of eighteen, unless, under the law applicable to the child, majority is attained earlier and who is separated from both parents and is not being cared for  by an adult who by law or custom  has responsibility to do so” (p. 1).

Tens of thousands of children on the move
As Eurostat data shows, in 2015 almost 90.000 UAMs applied for asylum in one of the EU member states. However, these numbers have to be approached with caution since it is notoriously difficult to verify any claims of age. Additionally, given that different countries have varying procedures to deal with UAMs, some might state that they are older than 18, in other countries adults might pose as under-age – whatever promises greater success of the asylum application.
What is less debatable than the numbers are the specific (protective) needs children have. Among the group of refugees and migrants they are the most vulnerable to abuse. Over the last two years more than 10.000 might have gone missing in Europe, often living on the street. This is particularly worrying given their special status according to the UNHCR. Their 1997 guidelines on UAMs seeking asylum establish, for example, that given their vulnerability, “children seeking asylum should not be refused access to the territory”. In this regard, even picture-perfect Germany fails. Or Greece, which (for various reasons) seems light years away from being able to provide shelter for UAMs anywhere close to the UNHCR’s suggestions: Children seeking asylum should not be kept in detention. This is particularly important in the case of unaccompanied children” (p. 2).

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Children playing in Idomeni

Parents sending their kids ahead

Remember the story of Arman and Saifur, the two Afghani brothers I met in Belgrade? Legally, Arman, the younger brother, qualifies as an unaccompanied minor since although he is travelling with his adult brother, Saifur is not his legal guardian. With their parents dead and the remaining relatives living in Austria, they would need special attention once they officially registered in an EU member state.

Apart from orphans, there is another group of UAMs on the route as I heard on different occasions from Salzburg through Belgrade to Idomeni. Some parents send their children ahead, usually in the company of 2nd or 3rd degree relatives, cousins and uncles, or with a group from their community, neighbours etc. The idea behind this is that UAMs are supposed to be treated with priority when it comes to asylum applications and once accepted, they would initiate family reunification procedures to rejoin with their parents in Europe.

Lastly, there are those who get separated from their parents during the flight. This usually happens accidentally. However, an NGO employee in Idomeni told me the moving story of a mother abandoning her three children in the camp. The four had been stuck at the Macedonian border for months already and wanted to make their way to Germany. The mother then desperately concluded that the journey would be too hard and dangerous for her kids. She planned to benefit from family reunion once she arrives in Germany and is granted asylum, recognised as a refugee or receives subsidiary protection. In the meantime, her children are supposed to wait in Idomeni. If this is not desperation, I don’t know what is…
Especially since it will take months if not years for the asylum application to be processed and family reunification to be initiated (e.g. in Germany).

A plight
Yes, it is difficult to correctly identify unaccompanied minors. Yes, once that has taken place the state authorities need to invest additional resources in them.
But we need to understand that these are children and youths. They have already seen more f*cked up stuff than any of us hopefully ever will. So let me close this short piece with a plight from the Economist:
“Granting asylum to the 90,000 unaccompanied children should not be a substitute for letting in more adult refugees. Nor should Europe stint in offering aid to help refugees in Turkey and Jordan find jobs. The refugee crisis must be tackled on several fronts, over several years. In the short term, however, the least Europeans can do is to keep the lost children of Syria safe.

 

Der Sonderfall unbegleitete Minderjährige

Wenn wir von ‘Geflüchteten’ reden und mehr noch beim Begriff ‘Migrant’ haben wir normalerweise junge Erwachsene vor Augen, meist männlich, manchmal Familien mit Kindern oder ältere Menschen. Deutlich seltener denken wir an unbegleitete Minderjährige, vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) definiert als: ein “Minderjähriger” (Kind/Jugendliche_r unter 18 Jahren), der ohne Begleitung eines für ihn verantwortlichen Erwachsenen in einen Mitgliedstaat der EU einreist oder nach der Einreise dort ohne Begleitung zurückgelassen wird“.

Zehntausende Kinder sind ungerwegs
Wie Daten von Eurostat zeigen beantragten im Jahr 2015 rund 90.000 unbegleitete Minderjährige Asyl in einem der EU-Mitgliedsstaaten. Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da es naturgemäß schwierig ist Altersangaben ohne entsprechende Dokumente zu überprüfen. Hinzu kommt, dass vor dem Hintergrund unterschiedlicher Herangehensweisen der einzelnen Mitgliedsstaaten an die Asylanträge unbegleiteter Minderjähriger, diese Anreize haben ihr wahres Alter zu verheimlichen. Manche Erwachsene mögen behaupten sie seien unter 18, andere geben sich als volljährig aus, obwohl sie es nicht sind – was auch immer für den Asylprozess vielversprechend erscheint.
Weniger kontrovers als die reinen Zahlen sind die besonderen (Schutz-) Bedürfnisse, die Kinder haben. Als Geflüchtete und Migrant_innen sind sie am gefährdetsten, wenn es um Missbrauch geht. In den vergangenen zwei Jahren sollen mehr als 10.000 von ihnen in Europa ‘verloren gegangen’ sein. Oftmals enden sie auf der Straße. Dies ist besonders besorgniserregend, da unbegleiteten Minderjährigen laut dem Hochkommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen (UNHCR) ein spezieller Status zusteht. In den Richtlinien des UNHCR von 1997 zum Umgang mit asylsuchenden unbegleiteten Minderjährigen steht beispielsweise, dass ihnen aufgrund ihrer besonderen Schutzbedürftigkeit “nicht der Zugang zum Staatsgebiet verweigert werden soll”. In dieser Hinsicht versagt aber selbst ‘Klassenprimus’ Deutschland.
Da muss man sich nicht wundern, dass Griechenland (aus unterschiedlichen Gründen) noch Lichtjahre davon entfernt scheint unbegleiteten Minderjährigen angemessene Unterkünfte bereitzustellen und sie stattdessen lieber in Gefängnisse steckt. Trotz der Forderung des UNHCR
“asylsuchende Kinder sollten nicht eingesperrt werden. Dies gilt besonders für unbegleitete Kinder” (p. 2).

Eltern schicken ihre Kinder voraus
Erinnert Ihr Euch an die Geschichte von Arman und Saifur, den zwei afghanischen Brüdern, die ich in Belgrad traf? Aus juristischer Perspektive ist Arman, der Jüngere der beiden, ebenfalls ein unbegleiteter Minderjähriger. Obwohl er mit seinem älteren Bruder unterwegs ist, ist Saifur nicht sein gesetzlicher Vormund. Im Kontext des Todes ihrer Eltern und den einzigen verbliebenen Verwandten in Österreich müssten die beiden besondere Verfahrensregeln bekommen, sobald sie sich in irgendeinem EU-Mitgliedsstaat asylsuchend meldeten.
Abgesehen von tatsächlichen Waisen gibt es eine weitere Gruppe unbegleiteter Minderjähriger, wie ich von Salzburg über Belgrad bis Idomeni hörte. Einige Eltern schicken nämlich ihre Kinder voraus, im Regelfall in der Obhut von entfernteren Verwandten, Mitgliedern des sozialen Umfeldes wie Nachbarn etc. Die zugrundeliegende Idee ist die Sonderbehandlung, die diesen Kindern im Asylverfahren zuteil werden soll, sodass sie ihre Eltern möglichst schnell nach ihrer Anerkennung über die Familienzusammenführung nach Europa holen können.
Zu guter Letzt gibt es noch jene, die auf der Flucht von ihren Eltern getrennt werden. Dies geschieht oftmals unabsichtlich. In Idomeni erzählte mir eine NGO-Mitarbeiterin jedoch die bewegende Geschichte einer Mutter, die ihre drei Kinder im Camp absichtlich zurückließ. Die vier saßen schon einige Monate an der mazedonischen Grenze fest, obwohl sie nach Deutschland wollten. Die Mutter entschloss sich schließlich dazu es alleine zu versuchen, für ihre Söhne und Töchter sei der weitere Weg zu anstrengend und gefährlich. So wollte sie möglichst schnell nach Deutschland gelangen und nach der Anerkennung eines Schutzstatus ihre Kinder über den Familiennachzug holen. In der Zwischenzeit sollten ihre drei in Idomeni warte. Wenn das kein Sinnbild der Verzweiflung ist, dann weiß ich auch nicht…
Besonders, da es Monate, wenn nicht gar Jahre dauern kann, bis das Asylverfahren abgeschlossen und Familiennachzug beantragt werden kann (Beispiel Deutschland).

Ein Aufruf
Ja, es ist schwierig unbegleitete Minderjährige korrekt zu identifizieren. Ja, sobald das geschehen ist, müssen die Behörden zusätzliche Mittel für sie aufwenden.
Aber wir sollten uns vor Augen halten, dass es sich hier um Kinder und Jugendliche handelt. Die allermeisten haben schon mehr Schei*e gesehen, als wir hoffentlich in unserem ganzen Leben sehen werden. Deshalb würde ich diesen kurzen Artikel gerne mit einem grob übersetzten Aufruf aus dem Economist beschließen:
“90.000 unbegleiteten Kindern Asyl zu gewähren sollte kein Ersatz dafür sein mehr erwachsene Geflüchtete aufzunehmen. Es sollte auch nicht Europas Bemühungen schmälern Geflüchteten in der Türkei und Jordanien bei der Jobsuche zu helfen. Die Flüchtlingssituation muss an verschiedenen Fronten über mehrere Jahre angegangen werden. Doch was Europa kurzfristig wenigstens tun kann, ist den verlorenen Kindern Syriens Schutz bieten.

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