Back home – A brief Moment of Reflection

English/Deutsch             Bedburg-Hau, 23 May

This is it. I am back home. The journey is over. As I did at half-time in Belgrade, I would like to briefly share some reflective thoughts with you.
The numbers:
– more than 2000€ were donated for the refugee work of the German Red Cross by about 20 donors during my journey;
– 2912 visitors of the blog (from 81 countries);
– 10.544 views of the blog articles;
– 587 follower of the blog;

– 551 likes on Facebook;

– 2300km cycled;
– 48 days travelling;
– countless interesting people met.

The lessons I take away:
1) The lessons regarding the Schengen Area still stand: It can only be sustained on the back of an effective, coordinated and shared management of its external borders, while purely nationalist policies and actions gradually undermine it.
2) The Western Balkan route might officially be closed, yet smuggling is on the rise – as expected. Last week I heard news from Belgrade that new arrivals in the city are starting to surge. That week alone the Asylum Information Centre counted 350 new people in one night and over 600 the other. Only a month ago, the average number of refugees and migrants making it to the city by illegal means was around 150.
3) No matter whether civil society is motivated by humanitarian or political reasons, along the route it is extremely active, well-connected and provides invaluable services and aid for the people in need.
4) Lesson 7 also still stands: The people seeking asylum are not so much a grey mass but individuals with unique backgrounds, histories and considerations that influence their decisions.
5) Human beings are capable to endure much more than one might think. Each and every one is stronger, more perseverant and more resilient in the face of hardship than we expect. However, inhumane living conditions can unveil the worst traces of human nature.
6) Useful, promising ideas and concepts for the solution of the current situation as well as for sustainable long-term reform exist. Yet implementation on the ground is crucial, rarely sufficiently taken into account when drafting such concepts. It is constantly forced to adapt flexibly to new developments, rendering any great, but monolithic idea rather superfluous.
7) The people on their way to Europe are driven by hope: hope for security, hope for education for their children, hope for self-realization and freedom, hope for a better life. This hope helps them endure unspeakable things, moments and challenges you don’t wish on anyone. This is why deterrence does not work. And this is why there will always be refugees and migrants at Europe’s doorstep.
We have to face it, there are only two solutions:
a) devise a European asylum and migration regime that is fair to the arrivals and      respects human rights while simultaneously managing the influx professionally;
b) opt for zero immigration, a dismissal of human rights and all the EU stands for. This would mean brutally pushing back everyone arriving at Europe’s shores, denying every single asylum application, thereby gradually eviscerating the hope of anyone pondering the idea of seeking shelter in the EU.
Ask yourself what you want Europe to stand for…and vote accordingly!

8) Readers and friends often ask me: “What was the most drastic, the crassest part of your trip?”. I have to say that it was Idomeni. Not necessarily because of the conditions (you all know the pictures). But because of the realization that this is not an accident, nor a natural disaster – it is is political will (or lack thereof) that forces people to live under such conditions. Such a situation (and that of thousands of others sheltered in squats, walking through the woods on their bare feet, being beaten and abused by police) could be resolved within weeks, if politicians wanted to…

Thank you!

From time to time a follow-up post will be published here, there might be newspaper articles to come and presentations to give. For the moment, I would like to thank all of you for your support and kind messages! It was a great pleasure writing for you and knowing that so many people took (and hopefully continue to take) an interest in the fate of refugees and migrants.

Take care, all of you!

Chris

 

Zurück daheim – Ein kurzer Moment der Reflexion

Das war’s. Ich bin zurück daheim. Die Reise ist vorbei. Und ähnlich meinem Halbzeitfazit in Belgrad möchte ich zum Abschluss noch einige Gedanken mit euch teilen.
In Zahlen:
– mehr als 2000€ kamen für die Flüchtlingsarbeit des Deutschen Roten Kreuzes von ca. 20 Spender_innen zusammen;

– 2912 Besucher_innen meines Blogs (aus 81 Ländern);
– 10.544 Ansichten der Artikel;
– 587 Abonnent_innen des Blogs;

– 551 Likes bei Facebook;

– 2300km gefahren;
– 48 Tage unterwegs gewesen;
– ungezählte interessante Menschen getroffen.

Was ich gelernt habe:
1) Meine Erkenntnisse zum Schengenraum haben noch immer Bestand: ein effektives, koordiniertes und solidarisches Management der gemeinsamen Außengrenzen ist für den Erhalt und das Funktionieren des Schengeraumes unabdingbar, wohingegen nationale Alleingänge dieses Konzept untergraben.
2) Die Westbalkanroute mag offiziell geschlossen sein, doch Schlepperei und Menschenschmuggel nehmen erwartungsgemäß zu. Vergangene Woche hörte ich aus Belgrad, dass die Neuankünfte in der Stadt wieder stark zunehmen. In jener Woche allein erlebte das Asyl-Informationszentrum eine Nacht mit 350 ankommenden Geflüchteten und Migrant_innen und eine weitere mit mehr als 600. Vor nur einem Monat lagen dies Zahlen bei durchschnittlich 150.
3) Unabhängig davon, ob die Motivation der Zivilgesellschaft humanitär oder eher politisch ist, zeigt sie sich entlang der Route extrem aktiv, umfassend vernetzt und leistet unschätzbar wertvolle Arbeit für Menschen in Not.
4) Lektion 7 ist ebenfalls noch gültig: Die Menschen auf der Flucht sind keine graue Masse, sondern Individuen, mit einzigartigen Geschichten, individueller Vergangenheit und ganz persönlichen Beweggründen, die ihre Entscheidungen beeinflussen.
5) Menschen sind in der Lage viel mehr auszuhalten als man denkt. Jede_r einzelne ist stärker, hat mehr Durchhaltevermögen und Widerstandsfähigkeit im Angesicht von Herausforderungen als man sich vorstellt. Dennoch können unmenschliche Lebensbedingungen das Schlechteste der menschlichen Natur hervorbringen.
6) Vielversprechende, nützliche Ideen und Konzepte zur Lösung des aktuellen Situation und für langfristig nachhaltige Reformen sind zwar vorhanden. Doch die lokale Umsetzung ist essenziell und doch zugleich selten ausreichend in die Überlegungen einbezogen. Dabei muss hier ständig flexibel auf sich verändernde Umstände eingegangen werden, was nützliche, aber sehr monolithisch-unbewegliche Konzepte schnell nutzlos macht.
7) Hoffnung ist, was all jene auf dem Weg nach Europa antreibt: Hoffnung auf Sicherheit, auf Bildung für ihre Kinder, auf Selbstverwirklichung und Freiheit, Hoffnung auf ein besseres Leben. Diese Hoffnung erlaubt es ihnen unaussprechliches durchzumachen, Momente und Herausforderungen zu überstehen, die man absolut niemandem wünscht. Genau aus diesem Grund funktioniert Abschreckung nicht. Und genau aus diesem Grund werden Geflüchtete und Migrant_innen immer an Europas Tür klopfen.
Seien wir ehrlich, es gibt nur zwei Lösungen:
a) wir schaffen ein europäischen Asyl- und Migrationsregime, das den Neuankömmlingen gegenüber fair ist, die Menschenrechte respektiert und gleichzeitig professionell, zuverlässig und sicher Immigration regelt;
b) oder wir entscheiden uns für null Immigration und werfen die Menschenrechte sowie alle Prinzipien der EU über Bord. Das würde brutalstmögliche Abweisung all jener bedeuten, die sich Europas Grenzen nähern und jegliche Asylanträge abzulehnen und somit schleichend alle Hoffnung zu zerstören in der EU Sicherheit und Frieden zu finden.
Stellt Euch die Frage, wofür die Europäische Union stehen soll…und wählt dementsprechend!

8) Leser_innen und Freund_innen fragen mich oft: “Was war das Krasseste auf deiner Reise?”. Ich muss an dieser Stelle immer ‘Idomeni’ sagen. Nicht zwingend wegen der dort herrschenden Bedingungen (Ihr alle kennt die Bilder). Sondern wegen der Erkenntnis, dass dies kein Unfall ist, keine Naturkatastrophe – es ist politischer Wille (bzw. dessen Mangel), der Menschen dazu zwingt so zu leben. Solch eine Situation (und die von Tausenden in besetzten Häusern, nachts barfuß durch die Wälder ziehend, zusammengeschlagen und misshandelt von der Polizei) könnte in wenigen Wochen gelöst sein, wenn Politiker_innen nur wollten…

Danke!

Von Zeit zu Zeit werde ich hier einen kurzen Artikel zu weiteren Aktivitäten posten, die mit der Reise zu tun haben. Vielleicht kommen noch Präsentationen, Zeitungsartikel etc. hinzu. Zum jetzigen Zeitpunkt möchte ich Euch allen für Eure Unterstützung und die motivierenden Nachrichten danken! Es war mir eine große Freude für Euch zu schreiben und zu wissen, dass so viele Menschen sich für das Schicksal von Geflüchteten und Migrant_innen interessierten (und hoffentlich weiterhin interessieren).

Passt auf Euch auf!

Chris

 

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About the blog/Über den Blog: https://chrisbikes.wordpress.com/about-this-blog/
About me/Über mich: https://chrisbikes.wordpress.com/about/
The German Red Cross project/Das DRK-Projekt: https://chrisbikes.wordpress.com/2016/03/23/im-zeichen-der-menschlichkeit-drk-fluchtlingshilfe/
Donate/Spenden: https://www.betterplace.org/de/projects/33861-fluchtlingshilfe

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2 thoughts on “Back home – A brief Moment of Reflection

  1. Vielen Dank für diese Reise, auf die du uns mitgenommen hast. Ich denke du hast deinen eigenen Anspruch erfüllt, und uns eine (fast) objektive Sicht auf die Verhältnisse und Wirklichkeiten der Balkanroute ermöglicht. Ich ziehe meinen Hut vor deiner Leistung.

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    1. Es war mir eine Freude! Vielen Dank für die positive Rückmeldung 🙂
      Entgegen meines Anspruchs konnte ich nicht immer objektiv bleiben. Bei manchen Gesprächen, Eindrücken und Begegnungen stellten sich einfach die Nackenhaare auf…

      Like

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